Sie sind hier:  >> Archiv  >> Reports 2010  >> 50 anni di Frecce Tricolori 

50 anni di emozioni

Un Tricolore - Lungo 50 Anni

Montag, 13. September 2010, Rivolto in Norditalien. Im Hotel Frecce Tricolori, benannt nach der gleichnamigen Kunstflugstaffel, gegenüber der Air Base ist es ruhiger geworden. Auf der Theke liegt aufgeschlagen die Messaggero del lunedì - Giornale del Friuli, die große Tageszeitung aus Udine. 5 Seiten widmet man ihren Geburtstagskindern, die seit 50 Jahren zum Leben der Udineser gehören, wie das Cornetto (Brötchen) zum Cappuccino. Auf der Titelseite steht in großen Buchstaben L´abbraccio die 300 mila alle Frecce, frei übersetzt: 300.000 Zuschauer umarmten die Frecce. Die 150.000 Besucher vom Samstag waren da nicht berücksichtigt. Darunter ein Bild mit der Abschlussfigur (Nr.18): Formazione: Alona con carrello estratto, Solista: Incrocio. Die 9er Formation fliegt mit ausgefahrenem Fahrwerk in einem Bogen am Publikum vorbei und malt in den Landesfarben Grün-Weiß-Rot die „längste italienische Fahne“ an den azurblauen Himmel. Alleine beim Betrachten des Bildes spürt man wieder diese Emotionen und ist wieder gefangen vom Meeting mit seinen vielen schönen Momenten. 14 Stunden vorher, die Abendsonne kämpft sich über Rivolto durch die am Himmel gemalte Fahne, zu sehr ist der Himmel in den Farben Grün-Weiß-Rot eingefärbt – Emotionen pur. Aus den Lautsprechern dringt Pavarottis Weltsong „Nessun dorma“ (italienisch für: Keiner schlafe), am Boden geht es zu wie bei einem Konzert von Eros Ramazotti. Es wird geklatscht, gejubelt, Fahnen werden geschwenkt, andere stehen einfach inne und saugen jeden Moment auf - feuchte Augen sind garantiert!

 

 

Gestern und Heute

Die Geschichte der italienischen Kunstflugstaffeln beginnt 1929 mit einem Besuch hoher Offiziere bei der Royal Air Force. In Hendon sehen sie zum ersten Mal einer der britischen Staffeln für Formationskunstflug zu – Sie sind begeistert. Nach ihrer Rückkehr nach Italien baute man keine eigene Staffel auf, nein - man gründete eine eigene Schule für den Formationskunstflug! Diese später weltberühmte „Scuola di Campoformido“ wird für die nächsten 10 Jahre zum Mekka des Formationskunstfluges. Der Befehl zur Gründung einer Kunstflugstaffel ging an Oberst Rino Corso Fougier in Udine. Er gilt als Vater des italienischen Formationskunstflugs und prägte maßgeblich den Ausbildungsstandard der Militärpiloten. Die ebenfalls in Campoformido stationierte 1º Stormo gründete eine Kunstflugmannschaft die mit sieben CR 20 ausgerüstet ist und den Verbandsflug in engster Formation zeigt. Viele andere Jagdgeschwader bildeten auch eigene Teams, bis dann der Zweite Weltkrieg diese sportliche und schöne Flugtätigkeit brutal unterbrach. Nach dem Krieg wurde mit dem Formationskunstflug erneut begonnen, diesmal mit Düsenflugzeugen. Die Geschwader Nr. 2, 4, 5, 6 und 51 traten bei verschiedenen Veranstaltungen auf und rissen die Zuschauer zu Begeisterungsstürmen hin. Bekannt wurden die Teams "Rampling Horse", "Thunderjets", "White Tigers", "Black Lancers" und die "Red Devils". 1959 wurden die „Red Devils“ aufgelöst, im gleichen Jahr stellten auch die „Lanceri Neri“ ihren Dienst ein. Das letzte Team der aktiven Einsatzverbände wird 1959 bei der 5º Aerobrigata gegründet, die „Getti Tonanti“ auf dem Flugzeugtyp F-84F Thunderstreak. Ende 1960 wird diese Mannschaft aufgelöst. Zur gleichen Zeit hatte die italienische Luftwaffe, die um die Gründung einer ständigen Vorführmannschaft bemüht war, die Gründung der 313º Gruppo Addestramento Acrobatico angeordnet. Diese Gruppe, die einzig das Ziel hat, eine Pattuglia Acrobatica Nazionale (P.A.N.) – eine Nationale Kunstflugstaffel – zu bilden, etabliert sich am 1.März 1961 in Rivolto del Friuli, nur wenige Kilometer vom legendären Campoformido entfernt. Homebase ist der Flugplatz Mario Visitini. Der Kreis beginnt sich zu schließen. Die neu gegründete Mannschaft fliegt unter der Leitung von Maggiore (Major) Mario Squarcina die Canadair Sabre Mk.4, die einen dunkelblauen Oberseitenanstrich erhält, während die Unterseiten in den Landesfarben Grün-Weiß-Rot gehalten wird. Anfangs flogen die Frecce Tricolori mit sechs, ab 1962 mit neun und ab 1966 mit zehn Flugzeugen und sind somit zahlenmässig das stärkste militärische Kunstflugteam auf Jet-Trainer. 1962 hat man den Anstrich der Sabre geändert, weiterhin Dunkelblau auf den Oberseiten mit den Landesfarben auf den Tragflächen- und Höhenleitwerksunterseiten.
Auf den Rumpfseiten befinden sich nun drei Pfeile in den Landesfarben Grün-Weiß-Rot. Diese Pfeile entsprechen dem Namen, den sich die Mannschaft zugelegt hat: Frecce Tricolori – dreifarbige Pfeile. Am 28.Dezember 1963 erhalten die Frecce Tricolori ein neues Flugzeug vom Typ Fiat G.91 PAN, eine Spezialversion vom leichten Erdkampfflugzeug. Nach Abschluß der Saison 1981 wurde die Fiat G.91 aus dem Verkehr gezogen und am 27.April 1982 durch die Aermacchi MB-339 PAN ersetzt. Seit damals haben die "Frecce" mit ihren mehr als 2.500 Darbietungen die Zuschauer in allen Staaten Westeuropas, im Nahen und Mittleren Osten, Kanada sowie in Nordamerika begeistert.

 

 

Zurück zum Event

Neben dem 50. Geburtstag der „Dreifarbigen Pfeile“ wurde auch die 10º Raduno Piloti Pattuglie Acrobatiche in Rivolto gefeiert, eine Art Zusammenkunft von Kunstflugstaffeln. Am Samstag wurde diese Feierlichkeit von der Frecce Tricolori im Anschluss ihrer Vorführung mit einer „10“ am Himmel dargestellt. Die 1º Raduno fand im Oktober 1965 hier in Rivolto statt. Als am Morgen des 11. + 12. September 2010 um 07:30 Uhr die Tore öffneten, strömten schon tausende Besucher auf das Gelände. Die Zeit bis zum ersten Programmpunkt konnte man sich an den Verkaufsständen vertreiben und von denen gab es auf dem Gelände jede Menge. T-Shirts, Kappen, Halstücher, Anstecker als Limited Edition und Uhren der Geburtstagskinder in allen Variationen - der Spaziergang wurde zur Shopping Schlacht. Alle militärische Kunstflugstaffeln aus Europa folgten der Einladung, angefangen von den Red Arrows, Patrouille de France, Patrouille Suisse, Team Iskra aus Polen, Royal Jordanian Falcons, Patrulla Aguila bis hin zu den Wings of Storm (kroatisch für: Krila oluje), die mit ihren 6 Pilatus PC-9 das Publikum begeisterten. Abgerundet wurden die 14 Stunden Flugprogramm an beiden Tagen mit Vorführungen der italienischen Luftwaffe, wie: Eurofighter 2000 Typhoon, C.27J Spartan, Aermacchi M-346 Master, Tornado, Aermacchi 339 oder die AMX. Die große Bühne zum Abschluss gehörte den „Dreifarbigen Pfeilen“ die unter den Augen von Verteidigungsminister Ignazzio La Russa und Leutnant General Giuseppe Bernardis, Chef der Italienischen Luftwaffe eine perfekte Show flogen. 18 verschiedene Programmpunkte umfasst das Schönwetterprogramm, die Dauer beträgt 28 Minuten. Nach der fulminaten Show verwandelte sich die Flightline in eine große Feiermeile. Zig Fahrzeuge kamen angerollt, Piloten in roten, blauen und grünen Fliegerkombis stiegen aus, um den Geburtstagskindern zu gratulieren. Mittendrin, Verteidigungsminister Ignazzo La Russa. In dieser Zeit hatte man schon die Jubiläumsmaschine mit der „50“ auf dem Leitwerk in Position geschoben – ein einmaliges Gruppenfoto mit allen Piloten der Teams sollte der krönende Abschluss sein.

 

 

50 anni di emozioni

Spät am Abend, der Platz ist leer gefegt, alle Hauptstrassen von den kilometerlangen Staus befreit, sieht man im Süden vom Flugplatz ein helles Licht im Hauptgebäude der Frecce - Hangarparty. Dort finden Piloten, Freunde und die Familien mal Zeit für sich und auf das Jubiläum anzustoßen. Langsam biegt die Airshow Saison 2010 in ihre Zielgerade ein, die letzten Termine der Freece stehen an. Bald heißt es für den einen oder anderen Piloten Abschied nehmen, von einer Truppe die die Herzen der Menschen seit 50 Jahren berührt. Neue Piloten werden kommen, eventuell auch bald die Aermacchi 346 Master als Nachfolger der MB 339. Gemunkelt wird schon länger darüber. Wie sang Eros Ramazzotti auf seinen zahlreichen Konzerten: Un'emozione per sempre (deutsch für: Ein nie endenes Gefühl). Hoffen wir, dass uns das Aushängeschild der italienischen Luftwaffe noch viele Jahre erhalten bleibt. Einmal Frecce – immer Frecce !!

Bericht & Fotos: Jürgen Moll

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Impressum

  |  

Rechtliche Hinweise

  |