Mr.Marchetti (Ralf "Macho" Niebergall)

Seit 20 Jahren ein Team

Die von Stelio Frati ursprünglich für Aviamilano entworfene SIAI-Marchetti hatte am 15.Juli 1964 ihren Erstflug. Der Ganzmetalltiefdecker, der als Kunstflugmaschine oder militärischer Trainer verwendet wird, wurde ursprünglich von SIAI-Marchetti in Serie produziert, dann aber 1997 von Aermacchi übernommen. Das Design ist ein konventioneller Tiefdecker mit einem Einziehfahrwerk. Neben dem Piloten können zwei Passagiere mitgenommen bzw. ein Pilot und ein Flugschüler mitgenommen werden. Die Militärversion wird noch in Belgien, Türkei, Italien und als Basis-Trainer für den Instrumentenflug und für die Kunstflugschulung eingesetzt. Mit der neuen Version SF-260EA hat das Trainingsflugzeug in den letzten Jahren eine Wiedergeburt erfahren, die ital. Luftwaffe ersetzte 2005 alle ihre SF-260AM mit 30 neuen Maschinen der Version EA. In den USA ist sie zudem ein beliebter Air-Combat Fighter, insgesamt wurden von diesem Flugzeugtyp etwa 900 Maschinen verkauft, davon rund 180 zivile Versionen. Die meisten zivilen Flugzeuge befinden sich in Privatbesitz, obwohl einige als Trainingsflugzeuge bei der belgische Luftgesellschaft Sabena dienen.


Mr.Marchetti


Die SIAI-MARCHETTI SF-260 (D-EDUR) wurde 1967 gebaut und war anschließend im Dienst der belgischen Luftwaffe. Ende der siebziger Jahre sollte der Trainer grundüberholt und zusammen mit weiteren fünf Maschinen an die iranische Luftwaffe überstellt werden. Doch dazu kam es nicht, 1979 vertrieb die islamische Revolution den Schah, Lieferungen von Militärmaterial wurden gestoppt. So kam der Vater Kurt Niebergall 1980 in den Besitz eines dieser Militärtrainer. Der heute 75 jährige Kurt Nierbergall, Inhaber eines Reifenhandels in Neuwied, war von 1959-2001 selbst aktiver Pilot und flog neben Do-27, Piaggio auch diese SF-260. Sein Sohn Ralf Niebergall machte mit 20 Jahren (1987) seinen Pilotenschein, flog anfangs einige Stunden auf diverse Flugzeugmuster wie PA-18, Zlin 142 oder Piaggio und stieg dann auf seine große fliegerische Liebe, die SF-260 um.



Heute kommt der 40jährige Ralf Niebergall (Angestellter im Betrieb des Vaters) und Besitzer der tschechischen und deutschen Kunstfluglizenz auf über 1.400 Flugstunden mit seinem „Baby“ (O-Ton Ralf Niebergall) und schulte selbst auf der Marchetti. Seine Heimat ist der Flugplatz in Koblenz-Winningen, dort wird man ihn aber im Sommer sehr selten antreffen. Von Ende April bis Oktober ist Mr. Marchetti auf ca. 25 Flugtagen in Deutschland unterwegs. Neben dem 8-9minütigen Kunstflugprogramm bei den Vorführungen bietet Ralf Niebergall immer Mitfluggelegenheiten an. Hier können sich mutige Gäste an einem Rundflug inklusiv Kunstflug probieren, so ein verschmitzt lächelnder Mr.Marchetti. Heute ist die 40jährige SF-260 (D-EDUR) die einzige SF-260, die auf Flugtagen in Deutschland noch im Originalzustand zu bewundern ist.



Bilder: © Jürgen Moll, Text mit freundlicher Unterstützung von Michael Stein & Ralf Niebergall
Einen besonderen Dank geht an Jürgen Kraus (Pilot der T6) für seine Unterstützung bei diesem Projekt.


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