Airpower09 übertrifft alle Erwartungen

Mit 280.000 Besuchern und Flugzeugen aus 17 Nationen feierte die Veranstaltung von Bundesheer, Red Bull und Land Steiermark nach 4jähriger Abstinenz ihre Auferstehung. Mit Oldtimern der Frühzeit (Blériot XI) bis zu dem modernsten Kampfjet (Eurofighter) wurde dem Publikum eine 10stündige und abwechslungsreiche Leistungsschau pro Tag in der Luft und am Boden präsentiert. Und das alles bei einer Vorbereitungszeit von nur 8 Monaten - beeindruckend! Als am Samstag Abend die letzten Triebwerke verstummten und die Sonne hinter den Bergen verschwand – kehrte wieder Ruhe ein in Zeltweg, jener Region, die nicht nur von den Piloten wegen dem schönen Bergpanorama so geliebt wird!


Ankunft


Rückblick 2008

Nach den vier Auflagen zwischen 1997 und 2005 mit insgesamt 1 Mio. Besucher warteten Luftfahrtenthusiasten und die Touristikbranche Obere Steiermark auf eine Neuauflage. 2006 versprach das Verteidigungsministerium eine Flugshow für 2008 als Fix! Daraus wurde nichts und auch für 2009 sah es nicht gut aus. Massive Umbauarbeiten am Fliegerhorst Hinterstoisser für den Eurofighter-Betrieb, Neubau des Towers, der erst Ende 2010 voll betriebsfähig sein sollte, die Region witterte vorgeschobene Ausreden! Das nächste Problem für eine Veranstaltung in dieser Größenordnung war, die Organisation um so ein Event zu stemmen.
Doch 4 Wochen vor Weihnachten gab Verteidigungsminister Norbert Darbos „grünes Licht“ und bescherte den Aichfeldern ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Der "kurzfristige" Termin im Juni bedeutete für das Bundesheer jedenfalls eine "organisatorische Herausforderung". Aufgrund der Neuwahlen konnte Darbos erst Anfang Dezember grünes Licht gegeben, so Organisationschef Brigadier Karl Gruber, Leiter des Teilstabes Luft im Streitkräfte-Führungskommando. Das Motto der AirPower09 sollte lauten „Schutz und Hilfe – Mensch und Technik“. „Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, über unsere Leistungsfähigkeit informiert zu werden, wir zeigen unsere Luftstreitkräfte in den Einsatzspektren Schutz und Hilfe in Österreich sowie im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements. Des Weiteren bringt die AirPower09 die Faszination in der Beherrschung von Technik durch den Mensch zum Ausdruck“ so Mag. Günter Höfler, GenLt ( Kommandant der Streitkräfte). „Auch die Personalgewinnung ist ein wichtiger Faktor, wir erwarten 250.000 Besucher, davon ein große Anzahl von Jugendlichen. Eine bessere Plattform um sich mit den verschiedensten Berufsmöglichkeiten bei der Fliegerei und beim Bundesheer zu informieren gibt es nicht“, so Karl Gruber.
Zu den Kosten der AirPower09 erklärte Gruber in 2008: Von insgesamt 3,6 Mill. Euro trägt das Bundesherr als Veranstalter 900.000 €, das Land Steiermark beteiligt sich als Sponsor mit 800.000 €, von Red Bull kommen 905.000 €. Durch Standgebühren, Verkauf von Werbeflächen und Merchandising-Artikeln rechnen wir mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von 1.000.000 Euro. Bei den VIP-Tickets die für 2 Tage 600 € Kosten ist die Nachfrage sehr groß. Ein wichtiger Aspekt ist der wirtschaftliche Nutzen von so einer Großveranstaltung für die obersteirische Region, wo doch in der jetzigen Wirtschaftslage jeder Impuls zur Stabilisierung von großer Bedeutung ist. Die Wertschöpfung für die Region wir auf ca. 15 Mio. Euro geschätzt, so Gruber auf Anfrage der Kostenverteilung und Einnahmequellen für das Event. Wegen der Luftfahrtmesse in Le Bourget (F) wurde der Termin um eine Woche nach hinten verschoben, der 26. + 27.Juni ist nun fix, trotz der Terminüberschneidungen mit den Veranstaltungen in Reims (F) und Biggin Hill (GB), so erneut Gruber.


Klassiker der Lüfte


Klassiker der Lüfte am Aichfelder-Himmel

Neben den zahlreichen Jets und Kunstflugstaffeln haben auch die Oldies der Lüfte einen weiten Weg ins Aichfeld zurückgelegt. Was wäre eine Airshow ohne historische Flugzeuge - davon gab es in Zeltweg genug! Bei der AirPower09 ging es zurück bis an die „Wurzeln der Luftfahrt, von der Blériot XI (1909) über Fokker Dr. 1 (1917), Messerschmitt Bf-109 (1935), Douglas DC-2 (1935), oder Yak-3 U (1941) um nur mal einige „Schätzchen“ zu nennen, waren hier im Flug zu bewundern. Hier gilt es dem Veranstalter mal ein dickes Lob auszusprechen, dass Sie etwas geschafft haben, was niemand wegen der kurzen Vorbereitungszeit geglaubt hat! Doch nicht genug! Aus Salzburg kamen die vom Aussterben bedrohten Exponate der Flying Bulls ins Aichfeld geflogen. Angeführt von der DC-6B (Titos „Air Force One“), über die North American B-25J Mitchell, die Chance Vought F4U Corsair bis zur Bell AH-1 Cobra war fast alles aus der Sammlung vertreten. Doch alle Augen und Ohren richteten sich auf den „Gabelschwanzteufel“! Die P-38L Lightning, ist das neue Prachtstück aus dem Hause Red Bull und dem Hangar 7 und wurde hier in Zeltweg der breiten Öffentlichkeit zum ersten Mal vorgestellt. Übrigens, den Namen Gabelschwanzteufel erhielt die P-38 von Piloten aus dem zweiten Weltkrieg wegen ihrer markanten Form und schweren Bewaffnung. Eine weitere Premiere 2009 war die Vorführung der Bf 109 G-4 „ Rote 7“, die sich in Zeltweg nach langer Reparatur (siehe FLUGZEUG CLASSIC 7/09) wieder dem Publikum zeigte. Testpilot Klaus Plasa zeigte die 109 mit schnellen Überflügen und fantastischen Motorsound im steirischen Bergpanorama.


Das 10stündige Flugprogramm wurde perfekt wie ein Faden abgespult, längere Pausen zwischen den Vorführungen gab es nicht. Eröffnet wurde um 09:00 Uhr mit einer Formation von drei Saab 105OE und dem Alpha Jet und einem Fahnenflug von 11 Hubschraubern des Bundesheeres. Dazwischen gab es eine Mischung aus Jets, Hubschraubern, Kunstflugstaffeln, Vorführungen von Transportern und den Warbirds. Eine Besonderheit war die Umsetzung des Themas: 100 Jahre Flugzeugrennen. Im Sommer 1909 fand im französischen Reims die „Große Woche der Luftfahrt“ statt. Höhepunkt war damals ein Luft-Rennen vor mehr als 100.000 Zuschauern. Heute und 100 Jahre weiter hat der Motorsport der Lüfte mit dem Red Bull Air Race eine neue Ära erreicht. Die AirPower09 verneigte sich auf ihrer Weise vor der großen Geschichte des Luftrennens – mit einem Race von verschiedenen Flugzeugen aus den großen Epochen des schnellsten Motorsports der Welt - von der Blériot XI bis zum Red Bull Air Race! Eine andere Ära ging zu Ende. Zum letzten Mal zu sehen war der Hubschrauber vom Typ AB206A Jet Ranger. Eine 6er Formation der Hubschrauber-Lehrabteilung in Langenlebarn zeigte ihre Abschiedsvorstellung mit Rauch über dem Aichfeld – nach 40 Dienstjahren ist nun Schluß. Auch das Rahmenprogramm für die ganze Familie war sehr attraktiv. Ganztägige kidsMania Kinderbetreuung, Playstation-Hangar und steirische Kulinarik waren selbstverständlich. Einige fotogene Formationsflüge der Patrouille Suisse (6x Tiger F5-E) und dem Vorgängermodell Hunter F Mk 58 mit dem Bergpanorama quälten die Verschlüsse der vielen High-Tech-Kamera-Body´s. Als um 19:30 Uhr die Flares bei der Aufsplittung zum berühmten Finale Grande der Patrouille Suisse verrauchten, fiel auch der Vorhang AirPower09.


Showground


AirPower bricht alle Rekorde

Hermann Schützenhofer, Tourismusreferent und LHStv zog eine erste positive Bilanz: 50.000 Nächtigungen in der Region sprechen für sich und mit der bisher höchsten Zuschauerzahl dürften auch die letzten Skeptiker überzeugt worden sein. Die Wertschöpfung lag bei geschätzten 20 Mio Euro! Als Brigadier Gruber am Samstagnachmittag einen Blick vom Kontrollturm ins Gelände warf, kam ihm der erste Gedanke: „Woodstock! Die Leute hier sind bester Laune“. Äußerst zufrieden zeigten sich auch die 31 Wirte, die für die Verpflegung auf dem Gelände zuständig waren. Schon am ersten Tag lag der Umsatz auf dem Niveau der gesamten AirPower05! Auch die Aircrews waren von der AirPower09 begeistert. "Was gibt es schöneres als vor so vielen Zuschauern mit diesem schönen Bergpanorama zu fliegen. Für uns ist es die „bestorganisierteste Airshow in Europa“! Höchste Töne kamen auch vom ungarischen Brigade-General Nandor Kilian von der Airbase Kecskemét: „Gratulation an das gesamte „AirPower-Organisationsteam"!
180 Versorgungsfälle verzeichneten die Sanitäter vom Bundesheer, der Großteil ging für Pflaster und Sonnencreme drauf! 4 Kilometer betrug die Länge der aufgestellten Maschenzäune, 2.500 Holzpflöcke sorgten für den richtigen Halt der Zäune im Erdreich und 1,2 Kilometer Absperrgitter dienten der Unterstützung. Der Bedarf der Heeresküche am Fliegerhorst Hinterstoisser zur Versorgung der Einsatzkräfte am Mittag im Rahmen der AirPower09 betrug: 1 Tonne Gemüse und Obst, 350 kg Reis, 3.500 Putenfilets und 3.500 Becher Joghurt.
Die Gesellschaft zur Förderung der Luftstreitkräfte (GFL) mit ihrer Militärluftfahrt-Ausstellung feierte auch einen Rekord. Pünktlich zur Airshow zählte man den 100.000 Besucher! Ein Muss ist dieses Museum für jeden Luftfahrtenthusiasten. Wo sonst sieht man 23 Top gepflegte historische Luftfahrzeuge, angefangen von der YAK-18 bis hin zu zwei Draken im Sonderanstrich. Der Eintritt ist frei!


Demo Teams


Die AirPower09 in Zahlen

Laut Bundesheer kamen 20 Prozent der Besucher aus Deutschland, Slowenien, Italien und Ungarn. Mit der Organisation und Abwicklung waren rund 2.500 Menschen beschäftigt. Laut offiziellen Angaben wurden rund 150.000 Liter Kerosin verbraucht. Es wurden rund 80.000 Liter Bier konsumiert, 400 Journalisten waren akkreditiert.


Austrian Power


Ausblick 2011

Selbst der Wettergott muss ein Steirer sein, anders kann man das Wetterglück nicht erklären! Während sich rund ums Aichfeld Gewitter und Starkregen entluden, blieb es über dem Platz, bis auf eine kurze Regenschauer am Samstag, ansonsten trocken. Wer die Worte von Verteidigungsminister Norbert Darbos aufmerksam verfolgt hat, kann sich freuen. In zwei Jahren heißt es wieder: AirPower2011, die Erfolgsgeschichte geht weiter!

Bilder & Text: Jürgen Moll (Text mit freundlicher Unterstützung von Airpower09 und dem österreichischen Bundesheer)


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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