Open Dag Leeuwarden (NL)
95 JAHRE KÖNIGLICH NIEDERLÄNDISCHE LUFTWAFFE
Vliegbasis Leeuwarden
Am 20.+ 21.Juni veranstaltete die Königlich Niederländische Luftwaffe (Koninklijke Luchtmacht) auf der Air Base in Leeuwarden (Friesland) seine „OPEN DAGEN 2008“, für Luftfahrtenthusiasten ein Pflichttermin im Jahreskalender. Mit 165.000 Besuchern und einem täglich mehr als 7stündigen Flugprogramm war diese (kleine) Jubiläumsveranstaltung ein voller Erfolg. Die Eröffnung am Morgen machte die niederländische Saab Safir und endete gegen 17:00 Uhr mit der Vorführung der Mirage 2000 aus Frankreich. Dazwischen gab es ein sehr abwechslungsreiches und kurzweiliges Flugprogramm, von der P-51 Mustang über die Lancaster, von der Airpower Demo bis zum größten europäischen Kunstflugteam, die Frecce Tricolori, gab es eine große Brandbreite der Luftfahrt am Himmel über Friesland zu bestaunen.
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von links nach rechts: Main Gate, Airpower-Demo, F-16 Fly by, F-16 Solo Display (NL), & F/A-18 Hornet (Spanische Luftwaffe)
Von der Brik bis zur F-16 Falcon
Es war im Juli 1913, als anfangs die Niederlande nur über Luftverbände der Armee (Luchtvaartafdeeling) verfügte. Die Brik, gebaut vom Luftfahrtpionier Marinus van Meel war das das erste Flugzeug dieses Heeresteiles, sechs Personen umfasste der Luftverband in seinen Anfängen. Einige Monate später folgte die Aufstockung des Verbandes durch 3 französische Farman. Während des Ersten Weltkrieges wurden überwiegend Navigations- und Aufklärungsflüge durchgeführt. Im Zweiten Weltkrieg bestand der Verband schon aus 140 Flugzeugen, vorwiegend aus einheimischer Produktion vom Typ Fokker, Douglas 8A-3N und Koolhoven F.K.51. Stationiert waren die Flugzeuge auf fünf Stützpunkten (Amsterdam-Schipol, De Kooy, s`Gravenhage, Bergen und Waalhaven) und unterstanden dem Commando Luchtverdedeging (Luchtverteidigung). Ab 1939 bemühte sich die niederländische Führung um die Ausrüstung ihrer Luftstreitkräfte mit ausländischen Mustern. Fast alle der in den USA bestellten Flugzeuge konnten aber nicht mehr rechtzeitig von der deutschen Invasion ausgeliefert werden, sie wurden u.a. nach Großbritannien ausgeliefert. Nach dem Zweiten Weltkrieg leisteten die Niederlande einen beachtlichen Beitrag zur UNO-Mission. Humanitäre Impulse und internationales Prestige waren die zwei Hauptgründe für dieses Engagement, schließlich wollte man als glaubwürdiger und zuverlässiger Partner angesehen werden. Neben Belgien, Norwegen und Dänemark gehörte die Niederlande zu den ersten europäischen F-16 Kunden. Bei Fokker wurde die holländische Fighting Falcon endmontiert und stiessen ab 1979 zur Königlich Niederländischen Luftwaffe. 213 Stück vom Typ F-16 wurden beschafft, nach dem Kalten Krieg wurde diese Zahl drastisch reduziert. Alle verbliebenen F-16 wurden kampfwertgesteigert und werden über das Jahr 2010 hinaus im Dienst bleiben. Bei einer Lebensdauer von über 30 Jahren ist das F-16- Programm somit ein voller Erfolg gewesen.
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von links nach rechts: Frecce Tricolori, Gnat, Team Iskra, KDC-10 und Lancaster der BBMF
Main Operating Base Leeuwarden
Die Vliegbasis Leeuwarden ist die nördlichste Basis in Holland unweit der Küste und dem Luft/Boden-Schießplatz Vliehors Range gelegen, dass in 2008 sein 60.Bestehen feiert. Neben Volkel und Gilze-Rijen ist Leeuwarden einer der 3 Hauptbasen (MOB) bei der niederländischen Luchtmacht. Leeuwarden ist auch Heimat der QRA, der Quick Reaction Alert Force. Bodenpersonal, Flugzeuge und Piloten sind 24 Stunden am Tag im Alarmzustand um eindringende Flugzeuge innerhalb wenige Minuten abfangen zu können. Kurz hinter dem Haupteingang im Osten der Base sind alle Jet-Fighter die auf der Air Base Leeuwarden stationiert waren ausgestellt, angefangen von der Gloster Meteor, die bis 1956 ihren Dienst erledigte. Der Nachfolger war die Hawker Hunter, die dann später von der F-104 Starfighter abgelöst wurde. Der heutige Frontjäger, die F-16 Fighting Falcon begann ihren Dienst am 6.Juni 1979. Auf der Basis Leeuwarden sind die 322. Fighter-Squadron und die 323. Taktische-Squadron mit der F-16 MLU stationiert, beide Staffeln sind für das „Swing-Role-Konzept qualifiziert, was gegen Ende des Kalten Krieges von der Königlich Niederländische Luftwaffe eingeführt wurde. Sowohl Flugzeug als auch Pilot können für mehrere Aufgaben verwendet werden. Diese Qualifikation zeichnete sich während den Operationen über dem Balkan 1999 aus, die niederländischen Flugzeuge waren die einzigen, die 3 Rollen ausführen konnten: Luftverteidigung, Luft-Boden-Angriffe und Aufklärung. Seit 1997 ist außerdem die 303. Search and Rescue Einheit mit ihren Augusta-Bell 412 SP Hubschrauber hier in Leeuwarden stationiert.
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von links nach rechts: Royal Navy Merlin HM Mk1, F-16 Solo Display (BAF), Mirage 2000, NH-90 & Mickey Artiges (BAF Solo Display mit Freund Francois "Ralloch" Rallet Mirage 2000 Solo Display (F)
Top Organisation – Top Airshow
Die Holländische Luftwaffe versteht es eine Airshow in dieser Größenordung zu organisieren und auszurichten. Bei mehr als 150.000 Zuschauern hier in Friesland, dass ganze ohne direkte Parkplätze an der Basis ist schon eine logistische Höchstleistung. Die Air Base liegt nordwestlich der Stadt Leeuwarden und konnte nur zu Fuß, per Fahrrad und mit Shuttle-Bussen erreicht werden. „Vom Parkplatz in der Stadt bis zum Eingang an der Air Base vergingen nur 12 Minuten per Bus, so ein sichtlich erfreuter Besucher. Aus Norden kommend diente die Nationalstrasse als Parkfläche für die Massen an Pkw´s, auch hier standen zahlreiche Pendelbusse für den Transport zur Verfügung. Kinder wurden am Eingang mit Erkennungsbändern ausgestattet, kostenlose Programmhefte und Infomaterial der einzelnen Teilnehmer standen ausreichend zur Verfügung. An Verpflegungsstellen, sanitäre Anlagen und Verkaufsstände fehlte es nicht. Nur wenige Minuten nach Öffnung der Tore waren die „besten Plätze“ für den uneingeschränkten Blick auf die Runway gefüllt. Wer später kam, oder es ruhiger wollte, legte sich auf die großräumigen Flächen der Basis und verfolgte das Spektakel über riesige Videowalls.
Das Flugprogramm war in zwei Blöcken unterteilt. Am Vormittag wurden historische und leisere Fluggeräte wie P-51 Mustang, B-25 Mitchell oder der OV-10 Bronco vorgeführt. Beeindruckt war das Publikum auch von der Vorführung vom Agusta-Westland HM.11 Hubschrauber (Royal Navy), der ein sehr dynamisches Programm zeigte. Der Nachmittag gehörte überwiegend den Jets und Kunstflugteams, eröffnet mit der Airfield Attack und der Air Power Demo der niederländischen Luftwaffe. Die McDonnell Douglas KDC-10 sorgte mit einem spektakulären Überflug für ein Raunen bei den Besuchern, erst kurz vor Ende der Startbahn zog der Pilot den Tanker steil in den Himmel. 10 F-16 Falcon simulierten die Airfield Attack mit diversen taktischen Angriffen aus den unterschiedlichsten Richtungen, abgerundet wurde das Schauspiel mit viel Pyrotechnik am Boden. Es folgten Überflüge von Hubschraubertypen der niederländischen Luftwaffe wie Boeing AH-64D Apache, Boeing CH-47D Chinook und Eurocopter AS.532U2 Cougar Mk.II. Abschluß der Air Power Demo war eine simulierte Tank-Demo mit KDC-10/F-16 und ein gemeinsamer Überflug aller Beteiligten.
3 Kunstflugteams fanden den Weg nach Friesland. Die Royal Jordanian Falcons, ausgestattet mit der Extra 300L sind bei den Open Dagen in Holland ein Dauergast und eröffnen dort meist ihre Europa Tour. Dagegen ist das polnische Iskra Team ein eher seltener Gast auf den westlichen Airshows. Das Team besteht 2008 aus 4 Flugzeugen vom Typ PZL TS-11 Iskra. Ihren letzten Auftritt auf holländischen Boden hatte die Frecce Tricolori 2004 beim Open Dag in Volkel. Ca. 35 Airshows inkl. Überflüge absolviert die Staffel pro Jahr, Budgetkürzungen haben die Auslandsauftritte auf max. 4 Vorführungen pro Saison reduziert. Im Rahmen der NATO-Osterweiterung trat Slowenien 2004 der Nato bei, von der Air Force beteiligte sich die Pilatus PC-9, die spanische Luftwaffe schickte die EF-18 Hornet ins Flugprogramm. Bei der Vorführung am Samstag musste der Pilot nach wenigen Minuten wieder landen, weil das linke Fahrwerk nicht eingefahren werden konnte. Die Bodencrew hatte schlicht vergessen, den Sicherheitsstift am linken Fahrwerk zu entfernen. Später gab es einen zweiten Versuch und die Hornet durfte das Flugprogramm am Samstag somit abschließen. Etwas zahm war noch die Premiere des Mehrzweckhubschraubers NH-90 von NH Industries. Die Niederländische Luftwaffe hat 8 Stück von der TTH-Version (Taktischer Transporthubschrauber) und 12 Stück für den schiffsgestützten Einsatz in der NFH-Version bestellt. Auf Abschiedstour befindet sich seit 2 Jahren die Mirage 2000, die wohl nun doch 2009 durch die Dassault Rafale abgelöst wird. Captain François RALLET, Vorführpilot der Mirage 2000, zeigte „Dynamik pur“ mit dem schnittigen Jäger. Er wurde im Juni bei der Biggin Hill Airshow mit dem "Best Solo Diplay Award" geehrt. Mickey Artiges (Belgisches Solo Display) und Ralf „Sheik“ Aarts vom holländischen F-16 Solo Display Team beeindruckten mit ihren Frontjägern das Publikum mit reichlich Flares und Nachbrenner.
Die Open Dagen bei unseren niederländischen Nachbarn sind seit Jahrzehnten ein Garant für Top Airshows bei „freien Eintritt“ für die Zuschauer. Genügend Gründe sich den 19.+20. Juni 2009 vorzumerken, wenn es wieder heißt: OPEN DAGEN LUCHTMACHT 2009, Welkom op de Vliegbasis Volkel.
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von links nach rechts: RJF, Simone Cavelli (Pony 10), Team Iskra, Video Wall & Line-up der Frecce Tricolori
© Jürgen Moll - Airshow Magazin
Einen besonderen Dank geht an:
E.C. de Bruijn (Head Air Displays Office)
Uwe Ramerth (Betreuer der RJF)
und an das gesamte Team der Falcons
für die tolle Unterstützung!!!!



















