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Ein Tag in Stadtlohn

"Vom Ultralight bis zur Antonov. Wir lassen Sie nicht am Boden stehen"
Bei der Gehling Flugtechnik GmbH werden „wertvolle Schätzchen“ der Luftfahrt instand gesetzt, gewartet und grundüberholt. Nicht nur bei den über 250 Stammkunden privater und gewerblicher Art im In- und Ausland sind Stadtlohn und Magdeburg seit 10 Jahren „die Adresse“ für die Sicherheit der allgemeinen Luftfahrt. 05.Mai 2008, ein wunderschöner Flug mit der „de Havilland Dove“ der LTU-Classic von Düsseldorf International Airport über das Berketal inmitten der münsterländischen Parklandschaft geht viel zu schnell vorbei um sich an den satten gelben Rapsfeldern, Windmühlen und Wäldern in der so schönen ländlichen Region satt zu sehen. Die D-INKA setzt sanft auf den Flugplatz Stadtlohn (EDLS) auf und rollt zum Vorfeld der Werft. Astrid und Dieter Gehling, die Geschäftsführer führen uns durch die mit Fliegern gefüllte Halle der Werft in ihre Geschäftsräume. „Heute geht es hier zu wie im Taubenschlag! Zahlreiche Terminarbeiten an den verschiedensten Flugzeugtypen stehen heute an und gegen Mittag ist ein Rollout nebst Testflug einer YAK 9 U geplant. Dazwischen haben wir immer ein offenes Ohr für die Hobbypiloten mit ihren kleineren Blessuren am Flieger. Die wollen nach einem sonnigen Fliegerwochenende mal eben bedient werden“, so ein verschmitzt lächelnder Gehling. „Bei dieser Wetterlage macht die Arbeit doppelt Spaß, da können wir die Flieger auch auf dem großen Vorfeld warten“ während er gleichzeitig im sauberen Englisch ein Telefonat führt. Der Testpilot der YAK 9 U, extra aus England eingeflogen, hat sich gemeldet - Ankunft in 60 Minuten. Zwischen den unterschiedlichsten Wartungsarbeiten an den Fliegern stehen immer wieder Dokumentationsarbeiten an, wie auch bei der „de Havilland Dove“ der LTU-Classic. Die elegante Zweimot, übrigens eines der beiden letzten geschäftlich genutzten Klassiker, ist heute zur Jahresnachprüfung in Stadtlohn, nachdem im Winter bereits die Wartung gemacht wurde. Die Wartungspapiere werden dokumentiert und der Prüfer der Klasse 1 kümmert sich um die Avionik. „Kaffee ?“, fragt Astrid Gehling, Geschäftsführerin von Gehling CAMO+ GmbH. Der Werbeslogan eines deutschen Süßwarenherstellers „„Halb Zehn in Deutschland“ passt gerade wunderbar ins Bild! Der Pausenraum ist voll wie der mit den wertvollen Schätzchen bestückte Hangar. Wer keinen Sitzplatz hat der steht eben. Hier sitzen und stehen Geschäftsführer, Kunden aller Art, Mitarbeiter und Piloten an einem Tisch, Blaumann sitzt neben Geschäftskleidung, es wird gefachsimpelt - sich ausgetauscht. Die langjährige Treue unserer Kunden ist nur durch eine individuelle und kompetente Dienstleistung möglich, getreu unserem Leitspruch: „Hier arbeiten Menschen für Menschen im Dienste der Sicherheit in der allgemeinen Luftfahrt“, so Gehling und nippt am Kaffee. Wirtschaftsfaktor im Münsterland
Der Flugplatz Stadtlohn-Vreden ist für Stadtlohn und seine Region eine wichtige Plattform für den wichtigen Wirtschaftzweig - den Mittelstand! Neben der Gehling Flugtechnik sind hier noch folgende Wirtschaftsfaktoren ansässig:
- Flugschule Air Stadtlohn
- Fun Flight UL-Flight
- Sxydive Stadtlohn
- Aircraft Cleaning Münsterland
- Flugplatzrestaurant
- und Achterberg Ballonvaarten
In den 60er Jahren entstand der Flugplatz auf Initiative des Vereins zur Förderung der Luftfahrt, der dann im März 1970 an die Flugplatz Wenningfeld GmbH verkauft wurde. In den 80er Jahren wird der Flugplatz mit Fördermitteln des Landes NRW ausgebaut, Unterstellhallen werden erschlossen, eine befestigte Start- und Landebahn mit Nachtflugbefeuerung kommt hinzu. Durch die geänderte Wirtschafts- und Währungsunion Ende 80er/Anfang 90er Jahre kommen neue Flugziele auf die Pläne der Geschäfts- und Privatflieger. Der Flugplatz entwickelte sich durch den stetigen Ausbau der Infrastruktur zu einem der „Verkehrslandeplätze in NRW“. 1994 übernimmt die Flugplatzbetriebsgesellschaft Stadtlohn (FBG Stadtlohn) den Platz als private Betreibergesellschaft, der Flugplatz Wenningfeld GmbH bleibt weiterhin Grundstückseigentümer und Lizenzträger. Seit Mitte der 90er bedient Stadtlohn bedingt durch den geänderten Markt in der Geschäftsfliegerei auch Kunden mit Propellerturbinen und Jettriebwerke, die dafür wichtige Tankstelle für Jet A1 (Kerosin) wurde installiert. 1996 wurde im Vorgriff auf die europäische Betriebsvorschrift für den Betrieb von Flugzeugen in Luftfahrtunternehmen (JAR-OPS2) die befestigte Start- und Landebahn auf 1080 mtr. verlängert. 3 Jahre später passte man den Platz an die europäischen Norm für gewerblichen Personenverkehr an und erhöhte die Sicherheitsstandards ohne Änderung der Größe von startenden und landenden Flugzeugen. Vor 8 Jahren wurde dann im Rahmen einer Tankstellensanierung neben Avgas und Jet-A1 auch eine Mogas-Tankstelle errichtet. Eben optimale Bedingungen und Vorraussetzungen für eine Luftfahrtwerft mit Blick in die Zukunft!
Ein Rabe machte den Anfang - vom Mischbetrieb zur Flugtechnik
Dieter Gehling sollte eigentlich einen elterlichen kleinen Betrieb mit Reisebussen einmal weiterführen. Dazu begab er sich nach der Schulausbildung in die Lehre zu einem größeren Busbetrieb in der Nähe. Zu diesem Betrieb gehörte auch als Tochterunternehmen, Hamaland Flugdienst mit Sitz in Stadtlohn. Die Fa. Hamaland Flugdienst war ein Mischbetrieb aus Flugschule, Luftfahrtunternehmen und eingebundenen 2-Mann Werftbetrieb zur Wartung der lokalen Flugzeuge in der Klasse bis 2 Tonnen. Nun ist es einmal so, dass die Lehrlinge wie die „Tellerwäscher“ zum Wochenende die Flieger putzen durften, was dann bei Dieter Gehling die „Leidenschaft zur Fliegerei“ auslöste. Daraus ergab sich quasi zwangsläufig der weitere Ausbildungsweg des Herrn Gehling mit der Beendigung der Lehre als Kfz-Mechaniker, Teilnahme an der Innungs-, Kammer-, Landes- und Bundesmeisterschaft der Jung-Kfz-Mechaniker, Meisterprüfung und parallel dazu Flugschein, Prüferlehrgänge div. Klassen, Berechtigungserwerbe sowie schlussendlich die Einberufung zum Prüfungsrat der IHK-Lehrlingsausbildung für Fluggerätmechanik und Prüfungsrat Prüfer von Luftfahrtgerät beim LBA. Zwischendurch, quasi als Belohnung, leistete er sich seinen eigenen Flieger oder besser gesagt das was vom Flugzeug noch übrig blieb. Er kaufte sich eine PZL 106 AR Kruk (Rabe) die er durch Zufall entdeckte. Die erste „Vollrestaurierung“ konnte beginnen. Die „Kruk“, bzw. in Fliegerkreisen liebevoll „der fliegende Traktor“ genannt, lag zerlegt für die Verschiffung nach Venezuela bereit. Doch das südamerikanische Festland sah der Flieger nie. Stattdessen lag die „Ruine“ fast 3 Jahre auf dem Lagerplatz bei Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) und warte auf ihre Verschrottung. „2500 DM habe ich für die „Reste“ bezahlt, Tragflächen und Rumpfteile wurden im mittlerweile gegründeten Zweitwerk nach Magdeburg gebracht“, so der Eigner. Nach nur 6 Monate Restaurierungszeit inklusive Neulackierung im Original Interflug-Design war der „fliegende Traktor“ mit der Kennung DDR-TAB fertig und feierte 1994 auf der Internationalen Luftfahrtausstellung in Berlin seine Premiere. Hierbei handelt es sich weltweit um das letzte fliegende Exemplar und um ein Sondermodell, so Gehling. Für ein zweites Cockpit wurde der Chemikalientank verkleinert. Das in Leipzig-Mockau stationierte Flugzeug war als Trainer für Schulungen und Checkflüge in der ganzen DDR unterwegs und hatte bis zur Restaurierung 3400 Flugstunden auf dem Buckel. Eine weitere Besonderheit bei der DDR-TAB ist das „R“ in der Typenbezeichnung. Ein spezielles Getriebe reduziert die Propellerdrehzahl gegenüber dem Standardmodell und sorgt somit für eine Lärmreduzierung. Die Kruk kann Dank dem modularen Aufbau von Zelle, Tank und Zweitcockpit innerhalb von zwei Tagen in eine normale Einsatzmaschine umgebaut werden. Dieter Gehling, der seit 1983 die Pilotenlizenz besitzt, führt den „Raben“ bis heute auf ca. 20 Airshows pro Jahr in Deutschland vor. Neben der Einmaligkeit des Flugzeugs an sich, ist die Kruk heute ebenfalls der letzte fliegende Vertreter der alten Luftfahrtgesellschaft „Interflug“, sowie wohl auch das letzte Flugzeug, was seine DDR-Kennung nun mit Sondergenehmigung noch durch die Lüfte bewegt. Als der Inhaber vom Hamaland Flugdienst aus Altersgründen seine Firmen in Stadtlohn und Magdeburg nach fast 30 Jahren zum Verkauf anbot, nutzte Dieter Gehling diese Chance und kaufte aus dem Bauch heraus den Mischbetrieb Mitte 1998 auf. Heute zum 10-jährigen Jubiläum besteht die Flugtechnik aus folgenden Betrieben: Der Betriebsteil für Zelle/Triebwerk in Stadtlohn EDLS (NRW) umfasst ca. 1.800 qm beheizbare Betriebsfläche inklusiv Avionik. Ein moderner Hangar, sowie entsprechende Hallen für die Lagerung von Ersatzteilen, Metall-, Holz- und Kunststoffbearbeitung, Räumlichkeiten für die Instandsetzung und Elektronikarbeiten, Dokumentationsstelle und Verwaltungsräume stehen zur Verfügung. Ein vielseitiges Leistungsspektrum zeichnet das Unternehmen aus, ob Jahresnachprüfung (JNP) Zelle/Triebwerk, Wartung, Verkehrszulassung, CAMO Betreuung, Ein- und Ausfuhren, Umbauten, Reparaturen, Überholungen/Restauration oder EASA Maintenance. Fast alle Instandhaltungsarbeiten an den Flugzeugen gem. Zulassung des Betriebes werden durch Herrn Dieter Gehling (Prüfer von Luftfahrtgeräten der Klasse I, II, III, IV, V) und dessen Mitarbeitern hier durchgeführt.
Über 200 Jahre gesammelte Erfahrung bei Gehling Flugtechnik
Stadtlohn ist auch Hauptstandort des Betriebszweiges Avionik und wird vom Betriebsleiter und Prüfer der Klasse 1 geführt. Neben Reparaturen, Prüfungen, Ein- und Umbauten in den Elektronikanlagen von Luftfahrzeugen hält die Abteilung Avionik ein grosses Spektrum an Ersatzteilen für die verschiedensten Hersteller parat. „Lt. den Zulassungen arbeiten wir u.a. an COM, NAV, ADF, GPS, Transponder, Encoder, Radar und Autopilotanlagen der Hersteller: z.B. King, Sennheiser, Becker, Collins, oder Garmin. Auch die Jahresnachprüfung (JNP), Funk der elektronischen Anlagen VFR und IFR, sowie Prüfung der Statikanlagen gem. LTA D-2006-331 ist bei uns kein Problem“, so der Betriebsleiter und Prüfer der Klasse 1. Im Haupthangar des Flughafens Magdeburg befindet sich die 500 qm große beheizbare Zweitwerft. Das Team besteht hier aus 4 Fluggerätemechanikern unter der Leitung des Prüfers Klasse II, A, B und C. Bei besonderen Tätigkeiten wie z. B. Avionik kann kurzfristig auf Prüfpersonal aus dem Stammbetrieb in Stadtlohn zurückgegriffen werden. Magdeburg kümmert sich nicht nur um Flugzeugtypen westliche Bauart, der Erfahrungsstamm bezieht die östlichen Flugzeugtypen wie Antonov II, JAK 52, Z 37/142/143, PLZ 104, Wilga, PZL Kruk 106 und viele andere Luftfahrtzeuge östlicher Bauart mit ein. Möglich macht dieser Erfahrungsvorsprung ein gegenseitiges Training und Controlling aller Mitarbeiter im Stamm- und Zweitbetrieb. 13 Mitarbeiter inkl. Geschäftsführer zählt die Flugtechnik heute, zum August 2008 werden 2 Auszubildende hier im anerkannten Ausbildungsbetrieb ihren Berufszweig als Fluggerätemechaniker antreten. „Schul-Praktikanten „schnuppern“ 14 Tage durch die Betriebe, Praktikanten der Technischen Universität aus Aachen kommen zu 3-Monats-Praktiken“, so der Geschäftsführer, Meister, IHK- und LBA-Prüfungsratmitglied.
LBA, EASA & FAA – Behörden für die Sicherheitsstandard in der Luftfahrt
Ohne Sicherheitsstandards in der Luftfahrt geht es nicht und dafür ist das Luftfahrtbundesamt, kurz LBA genannt, zuständig. Beide Betriebe haben die Zulassungen vom (LBA), sowie der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA). Die gesamte Instandhaltung an den Flugzeugen in Holz, Gemisch-, Kunststoff- und Metallbauweise für Kolbenmotoren bis 5.700 kg, Instandhaltung UL, Segelflugzeuge und Motorsegler, Grundüberholung an ausgesuchten Flugzeugmotoren und Propelleranlagen sowie Avionikanlagen diverser Hersteller werden hier durchgeführt. Beide Standorte haben die Comco-ITB-Zulassung und haben die CAMO+. (Continuing Airworthiness Management Organisation) auf Deutsch: Unternehmen zur Führung der Aufrechterhaltung der Lufttüchtigkeit. Wie in allen Firmen der Luftfahrtinstandhaltung ist auch die Gehling Flugtechnik durch die neuen europäischen Luftfahrt- Bestimmungen zum „gläsernen“ Betrieb geworden. Alle 6 Monate wird die Werft vom Luftbundesamt (LBA) überwacht und geprüft. Erlaubnisse und Berechtigungen werden für die Prüfer vergeben, Musterprüfungen und Musterzulassungen in eigener Verantwortung oder zur Unterstützung der EASA überwacht. Besonders die EASA tritt immer mehr in den Fordergrund. Das LBA war Gründungmitglied der Joint Aviation Authorities (JAA), einem Zusammenschluß der nationalen europäischen Luftfahrtbehörden. Heute übernimmt die EASA immer mehr diese Aufgaben, maßgeblich unterstützt durch das LBA. Die Auflösung der JAA ist somit nur noch eine Frage der Zeit. Am 28.September 2008 werden die EU-Instandhaltungsvorschriften auch für die im Luftsport eingesetzten Luftfahrtzeuge verbindlich. Alle Unternehmen die eine CAMO+ besitzen, können die Lufttüchtigkeit prüfen (vergleichbar mit der heutigen Nachprüfung) und entsprechende Bescheinigungen ausstellen. „Auch hier blicken wir zuversichtlich in die Zukunft“, so Astrid Gehling, Geschäftsführerin der neuen Gehling CAMO+ GmbH . „Mit der Gründung der CAMO+ GmbH (das „+“ steht für das Privileg die Lufttüchtigkeit zu prüfen) sind die Voraussetzungen geschaffen“, so die Inhaberin. Gehling Flugtechnik arbeitet nun auch nach europäischen Richtlinien, Arbeiten an amerikanisch und russisch registrierten Flugzeugen werden unter Zuhilfenahme eines entsprechenden Zweitprüfers durchgeführt. Eine Anerkennungsumschreibung der Prüflizenzen für diverse Luftfahrzeuge nach litauischem Recht besteht ebenfalls. Flugzeuge mit der N-Registrierung genießen in Deutschland immer einen Sondestatus. Das beste Beispiel ist das Split Image Team aus Nordhorn mit ihren beiden Pitts. Während die Pitts S-2B (Zweisitzer) eine deutsche Kennung trägt, führt die Pitts S-2S (Einsitzer) eine US-Kennung. Hier gelten gesonderte Papiere, Ersatzteile nach US-Normen, etc. Vom UL bis zum Historical Aircraft - die Kunden der Gehling WerftSchon weit vor dem Kauf der Flugtechnik sorgte sich Dieter Gehling um sein Marksegment und die Kunden von Morgen. 1986 führte sein Weg in die USA für Flugzeuginspektionen an diversen Flugzeugtypen. Nach der Restaurierung der Kruk 1994 folgten zahlreiche Wartungsarbeiten, Grundüberholungen und vollständige Restaurationen an diversen Antonov´s An-2 in der Ukraine oder Namibia/Botswana (Okawango Delta), Rückholung einer Partenavia aus dem Baltikum oder der vollständige Aufbau der LTU-Dove vom Bauernhof zum gewerblichen Flieger. Im Januar 2008 ging es für die Gehling´s in die Vereinigten Arabischen Emirate zur Al Ain Airshow. Peggy Krainz, die deutsche Wing-Walkering war mit Ihrem Piloten und Partner Friedel Walentin für diese Wüsten-Airshow mit ihrer Boeing Stearmann eingeladen. Um den technischen Support wie Zerlegung, Verschiffung/Transport und Aufbau der Stearman kümmerten sich Astrid und Dieter Gehling. Neben der Stearman der Wing-Walkerin kommen noch weitere Stammkunden aus der Airshow-Szene. Regelmäßige Gäste in Stadtlohn sind z. B. die beiden T6 Harvard´s im Red-Bull Design von Walter und Toni Eichhorn, die T6 Harvard Superslug(g) aus Aachen-Merzbrück, etliche Stearman, die Yak 11 von Manfred Rusche oder wie oben erwähnt das Pitts Team aus Nordhorn. Ein satter und fetter Sound aus dem Allison Triebwerk mit seinen 1.450 PS Leistung unterbricht unsere Unterredung, auf dem Vorfeld laufen die letzten Vorbereitungen für den Rollout der YAK 9 U. Dieser Jakowlew-Jäger kommt aus Australien und verbrachte die letzten 6 Wochen bis zur heutigen Flugerprobung in der Werft. Für die YAK steht heute ein Testflug nach Weeze am Niederrhein mit anschließender Landung auf dem Programm. Zurück geht es zum Auftanken wieder nach Stadtlohn und Weiterflug nach Berlin zum neuen Endkunden.
FABR. No 77, die letzte gebaute Pilatus P2-06
Beim Gang durch die Werft fällt unser Blick auf den matt silbernen Rumpf einer Pilatus P2-06, die einsam und verlassen an der Hallenwand steht. Hierbei handelt es sich nicht um irgendeine P2, nein, hier in Stadtlohn steht die letzte produzierte Werknummer (No. 77) aus dem Hause Pilatus. Baujahr des Fliegers 26.07.1950! Die Frage nach den fehlenden Tragflächen ist schnell beantwortet – die stehen zur Restauration in einer benachbarten Halle. Der Flieger wechselte von der Schweiz über den großen Teich ins Fantasy of Flight Museum des Kermet Weeks (Florida). Dort wurde der Flieger von einem deutschen Kunden erworben und per Verschiffung nach Europa transportiert. Bei der Kaufabwicklung in den Staaten bescheinigte man dem Käufer die „volle Flugfähigkeit“ der P2. Mit dieser frohen Botschaft ging es in die Werft zur Flugzulassung, schließlich wollte der neue Eigner ja schnell seinem Hobby nachgehen. Doch schon der erste ernste Blick von Dieter Gehling bedeutete nichts Gutes. Die Tragflächen waren trotz neuer Lackierung überall mit Rissen übersät – kein gutes Zeichen. Das Ende dieser Geschichte ist schnell erklärt. Der Flieger wurde vor der Verschiffung nach Deutschland von einem Hurricane getroffen und stark beschädigt. Die Tragflächen waren durch die Nässe völlig verfault, mit einer frischen Lackierung wurde die eigentliche Flugunfähigkeit vertuscht. Heute ist die P2 im Besitz von Dieter Gehling und befindet sich mitten in der Überholung und Avionikumrüstung. Die linke Fläche muss komplett neu gebaut werden. Um den modernen Betriebstoffen und Bedingungen Rechnung zu tragen sind auch einige umfangreiche Reparaturarbeiten am Triebwerk notwendig.
„Wenn alles klappt, sehen wir die letzte produzierte Werknummer ab 2009 oder spätestens zum 60. Geburtstag des Fliegers am Himmel über Stadtlohn“, so ein optimistischer Gehling. Was die Zukunft angeht, schaut der Geschäftsführer im Jubiläumsjahr positiv nach vorne. „Mit bis zu 400 Luftfahrzeugen pro Jahr sind wir sehr gut ausgelastet. 90% unserer Kundschaft sind Stammkunden und die behandeln wir Tag für Tag freundlich, fair, individuell zuvorkommend und kompetent. Dabei dürfen wir die neuen europäischen Luftfahrt- Bestimmungen und geänderten Standards der Behörden, wie z.B. die CAMO+ nie aus den Augen verlieren und müssen uns den immer schneller werdenden Markt stellen“, so Gehling. Der Geschäftsführer richtet seinen Blick auf die zahlreichen Ordner, prall gefüllt mit Richtlinien, Bestimmungen und sauber gegliederten Arbeitsabläufen. Spricht man ihn auf „die speziellen Projekte“ der letzten Jahre an, so kommt die Leidenschaft zur Fliegerei auf. Besonders die Arbeiten an den „Historical Aircraft´s“ wie die eigene und weltweit einzige flugfähige Kruk, oder Flugzeugtypen wie die Dove, T-28 Trojan, T6 Harvard, PT 17 Boeing Stearman, Antonov An2, Focke Wulf 190 oder die gerade am blauen Himmel über Stadtlohn fliegende YAK 9 U machen dem Pilot und Geschäftsführer große Freude. Zufrieden und mit einem Glanz in den Augen genießt Gehling mit seiner Mannschaft diese Momente der erfolgreichen Flugerprobung auf dem Vorfeld. „Ein perfekter Tag“, so der Inhaber und macht sich an den Motor einer T6 zu schaffen. Wie steht es doch auf dem Werbebanner in der Werft geschrieben: „Vom Ultralight bis zur Antonov. Wir lassen Sie nicht am Boden stehen“. So wahr - denn kurze Zeit später heben auch wir mit der D-INKA wieder vom Flugplatz Stadtlohn ab und genießen den Blick auf die satten gelben Rapsfelder, Windmühlen und Wälder in der so schönen ländlichen Region. Bilder und Bericht: Jürgen Moll, Text mit freundlicher Unterstützung von Astrid & Dieter Gehling!

 

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